Appell von W.v.F. an Prof. Felix Ekardt und unser zukünftiges Strategie-Team, die naturwissenschaftlichen Notwendigkeiten für den Klimaschutz niemals wegzulassen



Sehr geehrter, lieber Herr Professor Ekardt,

vorausgeschickt sei mein herzlicher Dank für Ihre erfolgreiche Argumentation bei unserer Verfassungsbeschwerde von 2018!  Ohne Sie hätten wir es nicht geschafft!

Viele nachträgliche Kommentare zum Prozessausgang stimmen mich allerdings bedenklich. Erlauben Sie mir zwei typische Zitate
"Die grundrechtliche Freiheit und das Staatsziel Umweltschutz verpflichteten den Gesetzgeber, einen vorausschauenden Plan zu entwickeln, um mit den noch möglichen Restemissionen sorgsam umzugehen."

"Unsere Klage hat aufgezeigt, dass grundrechtlich Nullemissionen dramatisch früher nötig sind als bisher anvisiert und (dass) das Paris-Ziel grundrechtlich verbindlich ist."

Mein Kommentar dazu:
Sorgsamer Umgang mit den Restemissionen und Verteidigung des Paris-Ziels reichen - naturwissenschaftlich gesehen - schon längst nicht mehr aus. Sie, Herr Ekardt, wissen das selbst. Doch viele unserer Verbündeten halten weitergehende Forderungen für unerfüllbar und suchen angestrengt nach Hinweisen, dass wir die weitergehenden Forderungen weglassen können.
    Ich habe bereits mehrere entsprechende Glückwunschschreiben erhalten.
Deshalb fühle ich mich zu diesem öffentlichen Appell verpflichtet. Dieser Appell soll uns alle zur Disziplin ermahnen.

Wir sollten unsere Strategie in gemeinsamer Diskussion dem naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand anpassen und keine Argumentationslücke lassen.

Meine wichtigste Forderung lautet:
     Wenn es der Menschheit nicht gelingt, die Treibhausgase schneller aus der Atmosphäre zurück zu holen als sie sich bereits schon jetzt aufgrund einiger überschrittener Kipppunkte von ganz alleine bilden - z.B. der Methangasausstoß aus den auftauenden Permafrostgebieten - dann wird uns die Klimakatastrophe den Garaus machen.

Wenn wir rückblickend schildern, wie es gelungen ist, das BVerfG zu überzeugen, sollten wir regelmäßig hinzusetzen, dass unsere damaligen Forderungen in naturwissenschaftlicher Hinsicht keineswegs ausreichten und dass wir deshalb in Zukunft erheblich verschärfte Forderungen stellen müssen.

Die Aufgabe, das Klima zu retten, die jetzt vor uns liegt, ist extrem anspruchsvoll und muss unter extremen Zeitdruck gelöst werden.
Ein Gericht davon zu überzeugen, dass man mit einem CO2-Budget sorgsam umgehen müsse, und dass das Paris-Abkommen eingehalten werden müsse, ist vergleichsweise einfach, genügt aber nicht mehr.
Jetzt wird mehr von unserem "Strategie-Team" verlangt: Wir müssen Maßnahmen fordern, die die notwendigen naturwissenschaftlichen Verhältnisse herstellen und wir müssen Mindestwerte- bzw. Höchstwerte nennen, selbst wenn die nur mit Verfahren erreicht werden können, die unser gesamtes Wirtschaftsleben völlig umkrempeln werden.
Es darf jedenfalls nicht mehr geschehen, dass Wirtschaftsminister Peter Altmaier unsere neue Strategie als epochal loben wird.

Meine düstere Überzeugung: Wenn unserer Generation die Klimawende nicht gelingt - die folgenden Generationen werden es nicht mehr schaffen. Wir sind deshalb den Versuch uns, unseren Kindern und Enkeln schuldig.

Möge es noch nicht zu spät sein!

Mit herzlichen Grüßen

Wolf von Fabeck