Wolf von Fabeck - 31.10.2020 bitte refresh klicken

"Sektorkopplung"

Kampf hinter den Kulissen um die Deutungshoheit


Keine Einigkeit in den Definitionen:


Unter "Sektoren" verstehen Energiewirtschaft und Klimaschutzorganisationen einzelne Wirtschaftsbereiche, in denen Energie eingesetzt oder bereitgestellt wird. Doch es handelt sich - je nach Interessenlage - nicht exakt um die selben Wirtschaftsbereiche.
Ursprünglich ging die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen von folgenden fünf Sektoren aus: 1. Industrie, 2. Verkehr, 3. Haushalte, 4. Gewerbe, 5. Handel & Dienstleistungen.
Doch diese scheinbar universelle Einteilung ist erkennbar nicht mehr aktuell, seitdem einige Klimaschutzorganisationen - darunter auch der SFV - darauf aufmerksam machten, dass das energieaufwendigste(!) aller Vorhaben, die Rückholung von Klimagasen aus der Atmosphäre in dieser Aufzählung schlicht "vergessen" wurde.

Sektorkopplung ist das Ergebnis eines Optimierungsprozesses. So weit ist man sich in der Definition noch einig. Aber wohin soll die Optimierung führen? Was ist ihr Ziel? Hier werden - je nach Interessenlage - höchst unterschiedliche Ziele verfolgt.
Von der Interessenlage der Braunkohle- oder Atom-Kraftwerks-Betreiber und Ihren Fernleitungs-Ausbauplänen brauchen wir hier nicht weiter zu sprechen.

Jetzt ist Sektorkopplung zu Gunsten der Gas-Wirtschaft aktuell.
Dabei geht es offensichtlich darum, möglichst hohe Anteile des Energiebedarfs über das weitverzweigte Gasnetz zu decken. Sogar die elektrische Energie aus Solar- und Windenergie soll zum Zweck des Transports und der Speicherung umgewandelt werden in die chemische Energie von Methan oder Wasserstoff "Power-to-Gas" bzw. "P-t-G" oder "P2G". Wer diese Abkürzungen stolz benutzt, muss trotzden noch kein Experte sein!.
Die Tatsache, dass regierungsseitig die Fertigstellung von Nordstream 2 weiter vorangetrieben wird, dass weitere LNG-Terminals an der Küste geplant werden und dass an sehr vielen Orten in Deutschland die Straßen aufgerissen werden, um Haushalte an das Niederdruck-Gasnetz anzuschließen, zeigt den erfolgreichen Fortgang dieser Art von "Sektorkopplung" zu Gunsten der Gas-Wirtschaft. Zur Begründung wird angegeben, der Ausbau der Gasnetze diene dem Klimaschutz, denn bei der Verbrennung von Methan würde weniger CO2 entstehen als bei der Verbrennung von Kohle. Diese Begründung überzeugt allerdings nicht, denn bei der Erzeugung von Wind- und Solarstrom entsteht überhaupt kein CO2 und erst recht kein klimaschädliches Methan-Gas!

Ziel der Sektorkopplung nach Vorstellung des SFV und einiger fortschrittlicher Klimaschutzorganisationen müsste dagegen die Abwehr der Klimakatastrophe sein - jeweils aktualisiert nach den neuesten Erkenntnissen der Klimawissenschaft.
Die Tatsache allerdings, dass die Rückholung von Klimagasen aus der Atmosphäre - das energie-aufwendigste Vorhaben der Menschheit(!) überhaupt - in den Veröffentlichungen mancher Klimaschutz-Organisationen zur Sektorkopplung noch nicht einmal erwähnt wird, zeigt welch erheblicher Aufklärungsbedarf sogar unter den eigenen Klimaschutz-Verbündeten hier noch vorliegt.

Rückholen der Klimagase mit höchstmöglichem Tempo -
     ein Ausweg aus der Klimakrise

Urwaldrodung und Nutzung fossiler Brennstoffe müssen so schnell wie möglich beendet werden. Und 100% Erneuerbare Energien überall!
Über diese Selbstverständlichkeit brauchen wir im gegebenen Zusammenhang kein Wort mehr zu verlieren. Aber was müssen wir darüber hinaus tun?

Die Menschheit ist technisch und ökonomisch in der Lage, aus Wind- und Sonnenenergie sogar vielfach mehr als nur 100 Prozent ihres eigenen Energiebedarfs zu gewinnen.
Dieses Mehr an Energie brauchen wir mit höchster Dringlichkeit - wie weiter oben erwähnt - zum Rückholen der überschüssigen Klimagase aus der Atmosphäre.

Sogar das fast unvorstellbare Tempo, mit dem das Rückholen geschehen muss, lässt sich mit einem eindringlichen Satz definieren:
Das Rückholen muss noch schneller gehen, als die verheerenden positiven Rück- und Mitkopplungen im selben Zeitraum neue Klimagase bilden können! Zur Zeit ist diese Forderung nicht im geringsten erfüllt. Man denke z.B. nur an die riesigen Mengen Methan, die aus dem tauenden Permafrost entweichen, ohne dass dem eine Rückholung gegenübersteht.
Im Einzelnen muss folgendes erledigt werden:
  1. Die Klimagase aus der Atmosphäre zurückholen, noch schneller als die verheerenden positiven Rück- und Mitkopplungen neue Klimagase bilden können!
  2. Die rückgeholten Klimagase chemisch in klima-unschädliche Kohlenstoffverbindungen mit hoher Dichte umformen damit sie nicht zu viel Platz beanspruchen oder bei unbeabsichtigter Freisetzung das Klima beschädigen ("Klimagas-Recycling").
    Umwandeln in Methanol (nicht verwechseln mit Methan!)
    Es gibt bereits ein erprobtes Verfahren:
    CO2-Recycling zur Herstellung von Methanol
    Erzeugung von Methanol aus dem CO2 der Atmosphäre
    von Dr. Michael Specht - Endbericht Juli 2000

    Die damals noch vorgesehene Verwendung des Methanols als Treibstoff ist allerdings nicht anzustreben. Im Verkehrswesen haben Elektro-Batterien den höheren Gesamtwirkungsgrad. Sogar für den Flugverkehr wird das Konsequenzen haben. Doch in der Langzeitspeicherung könnte ein Teil des Methanols Anwendung finden.
  3. Umwandeln in Pflanzenkohle, die in einem noch zu verbessernden CO2- und schadstoffreien Verfahren aus Vegetationsabfällen erzeugt werden müsste,
  4. Die unschädlich gemachten Kohlenstoffverbindungen nutzbringend zu verwenden oder sie sicher lagern. Methanol könnte man möglicherweise in leergeförderten Erdölfeldern unterbringen oder in der Kohlenstoff-Chemie verwenden
  5. Schadstoff-frei erzeugte Pflanzenkohle könnte man zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit unterpflügen.
Dringendste Aufgabe für politische Entscheider, Verfahrenstechniker und Ökonomen ist es, beispielgebende Rückhol-Verfahren zu entwickeln, zu verbessern und sie unverzüglich einzusetzen.


Die Klimaschutz-Vereine müssen die Deutungshoheit zur Sektorkopplung zurückgewinnen:

Sektorkopplung ist Optimierung der Energieversorgung mit Energie aus Wind- und Sonnenenergie in allen Sektoren, nicht nur für Industrie, Verkehr, Haushalte, Gewerbe, Handel & Dienstleistungen, sondern ganz besonders auch im Sektor Rückholung von Klimagasen aus der Atmosphäre!




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